Makrofotografie mit Close-Up-Linsen
Makrofotografie mit Close-Up-Linsen

Einstieg in die Makrofotografie

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Sind Makrolinsen wirklich so schlecht wie ihr Ruf in diversen Foren? Oder können sie doch ein günstiger Einstieg in die Welt der Makrofotografie sein?

Da ich diese Frage in letzter Zeit häufiger gehört/gelesen habe, aber absolut keine Erfahrung in der Makrofotografie vorweisen kann, habe ich mir das günstigste Set aus 4 Close-Up-Linsen bestellt, welches ich finden konnte. Die Erwartungen an diese „Glasscherben“ waren wirklich kaum messbar. Was will man schon für 20€ erwarten? 4 präzise geschliffene Linsen bestimmt nicht. Nach diversen Forenbeiträgen war ich also voller Erwartung der schlimmsten CA´s und einer gravierend verschlechterten Grundschärfe der Bilder. Hätte ich vielleicht doch die doppelt so teuren Zwischenringe bestellen sollen? Aus Sicht nahezu aller Forenteilnehmer, spricht die bessere Bildqualität dafür. Wo kein weiteres Glas drin ist, kann auch die Qualität nicht leiden…
Doch dann müsse man auf den Autofokus verzichten. Ich mag jedoch den AF meiner Nikon und möchte nicht zwangsläufig auf ihn verzichten.

Als ich das Paket dann in den Händen hielt, war ich erleichtert das Geld zumindest nicht vollständig umsonst ausgegeben zu haben. Die 4 Close-Up-Linsen kamen säuberlich verpackt, in einer faltbaren Tasche mit Reinigungstuch. Die könnte man im schlimmsten Fall, auch anderweitig nutzen.

Nach den ersten Testaufnahmen wurde mir klar, dass ich für die Makrofotografie umdenken muss. Zumindest wenn es mit Zwischenringen oder, in meinem Fall, den Close-Up-Linsen funktionieren soll. Ein Stativ und viel Licht muss her. Bei Offenblende wird das Scharfstellen zur Geduldsprobe. Erstrecht wenn man entfesselt blitzt und nicht ausreichend Tageslicht vorhanden ist.
Nach den ersten brauchbaren Bildern muss ich gestehen, dass die Makrofotografie in dieser Form nicht meine Welt ist. Es liegt jedoch nicht wie anfangs erwartet an der Bildqualität, sondern an meiner Ungeduld. Zum Abschalten kann es aber eine gute Alternative sein.

Um allen Interessierten zu zeigen was die Dioptrien Angaben auf den einzelnen Linsen bewirken, habe ich einen kleinen Test gemacht.
Alle Bilder wurden mit dem Nikkor 50mm 1.8D bei Blende 8 vom Stativ aufgenommen und mit dem Autofokus auf den rot markierten Bereich scharf gestellt. Als Lichtquelle diente ein Yongnuo in einer Softbox bei 50cm Abstand und gleich bleibender Einstellung.

Makrofotografie mit Close-Up-Linsen

50mm bei Naheinstellgrenze 35cm

 

Nikkor 50mm 1.8D +1 Naheinstellgrenze

50mm + 1 bei Naheinstellgrenze 25cm

 

Nikkor 50mm 1.8D +2 Naheinstellgrenze

50mm + 2 bei Naheinstellgrenze 20cm

 

Nikkor 50mm 1.8D +4 bei Naheinstellgrenze

50mm + 4 bei Naheinstellgrenze 14cm

 

Nikkor 50mm 1.8D +10 bei Naheinstellgrenze

50mm +10 bei Naheinstellgrenze 8cm

 

Nikkor 50mm 1.8D bei Naheinstellgrenze

50mm + 4 +10 bei Naheinstellgrenze 4,5cm

Die Bilder verdeutlichen, wie ich finde, ganz gut dass die Grundschärfe der Bilder nicht zwangsläufig durch solche Makrolinsen leidet. Zwar ist eine leichte Neigung zu CA´s erkennbar, jedoch verwundert es kaum, bei so stark gewölbtem Glas und es ist bei weitem nicht so schlimm, wie man oft liest. Auch eine scharfe Abbildung von Rand zu Rand ist nicht möglich, aber auch in den seltensten Fällen gewünscht.
Es sollte auch jedem bewusst sein dass diese Variante der Makrofotografie nicht geeignet ist um Kleintiere zu fotografieren. Diese würden schlicht flüchten wenn man ihnen so nah auf die Pelle rückt. Trifft aber auch oft auf Makro-Objektive unterhalb der 90mm zu.
Zu erwähnen ist auch, dass man bei Linsen immer mit Adaptern zum jeweils eingesetzten Objektiv arbeiten muss, wenn man nicht gleich mehrere unterschiedliche Durchmesser kauft.
Eine extrem schlechte Abbildungsqualität, gravierende Krümmungen oder einen starken Lichtabfall konnte ich jedoch, entgegen aller Vorhersagen aus den Foren, nicht in den Bildern finden.

Viel mehr wirkt es auf mich so, als würden sich manche Besitzer teurer Makro-Objektive ihren Kauf schönreden oder vor anderen rechtfertigen wollen. Daher meine Bitte an alle. Zählt gerne die Licht- und Schattenseiten der jeweiligen Möglichkeiten auf. Hört aber bitte auf den Menschen euren Weg als „den einzig richtigen“ einzureden. Für viele Einsteiger, die Makro noch nie fotografiert haben, ist ein Objektiv für 500€ der falsche Weg um „nur zu probieren“. Wenn der Mensch Gefallen an der Makrofotografie findet, wird er auch bereit sein, mehr Geld zu investieren. Für mich waren die Linsen eine nette Abwechslung und durch die Verwendbarkeit an mehreren Objektiven absolut ausreichend. Zumal man auch mehrere Linsen miteinander kombinieren kann. Ein Makro-Objektiv wäre hier eine Fehlinvestition.

PS: Auch das Titelbild des Artikels wurde mit diesen Linsen aufgenommen und widerspricht allen Forenaussagen

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